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Frühlingszwiebeln, Ingwer und Knoblauch

Frühlingszwiebeln, Ingwer und Knoblauch haben in der traditionellen chinesischen Medizin einen hohen Wert und spielen seit Jahrhunderten für die Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten eine wichtige Rolle.

Bereits zur Zeit der Östlichen Han-Dynastie (25-220) behandelten chinesische Ärzte mit Frühstückszwiebeln häufig Erkältungen. In Shannongs Kräutermedizin, dem ältesten bekannten medizinischen Buch Chinas, heißt es, dass der weiße untere Teil der Frühlingszwiebel gute Heilwirkungen bei den durch Kälte hervorgerufenen Krankheiten sowie gegen Schüttelfrost, Schwitzen, Schlaganfall und Schwellungen im Gesicht hat. Die sehr frühe Anwendung der Frühlingszwiebel mag damit zusammenhängen, dass diese Pflanze leicht anzubauen ist und fast in allen Landesteilen Chinas gedeiht.

In den meisten Fachbüchern über chinesische Heilpflanzen, die nach Shennongs Kräutermedizin herausgegeben wurden, gibt es Ausführungen über die Heilwirkungen der Frühlingszwiebel. In dem Buch Nicht formelle Aufzeichnungen bekannter Ärzte aus der Wie- und Jin-Zeit (220-420) kann man z.B. lesen, dass der weiße untere Teil der Frühlingszwiebel gut gegen den durch Erkältung verursachten Kopfschmerz ist.

Li Shizhen, ein großer Mediziner und Pharmakologe aus der Ming-Zeit (1368-1644), hat die Kenntnisse über die Heilwirkungen von Frühlingszwiebeln erheblich bereichert, indem er auf der Grundlage des Wissens seiner Vorgänger umfangreiche Untersuchungen anstellte. In seinem Abriß der Arzneikunde heißt es z.B., dass der weiße untere Teil der Frühlingszwiebel wirksam gegen rheumatische Schmerzen und Lähmungen und die durch unregelmäßiges Essen, Verdauungsstörungen oder Darmparasiten hervorgerufene Unterernährung ist, Herzschmerzen stillt, dem Verlust von Yang (Lebensenergie) bei Erwachsenen vorbeugt, Bauchschmerzen lindert, die Wurmkrankheit bei Kindern bekämpft und Schwangerschaftsblutungen, Brustgeschwüre, Ohrensausen und Bisswunden heilen kann. Daraus ist ersichtlich, dass die Frühlingszwiebel in der Yuan-Zeit (1271-1368) und in der Ming-Zeit schon als Heilmittel gegen zahlreiche innere und chirurgische Krankheiten sowie gegen Frauen- und Kinderkrankheiten eingesetzt wurde. Als volkstümliches Heilmittel fand die Frühlingszwiebel eine breite Anwendung. In der Qing-Zeit (1644-1911) analysierten Ärzte und Pharmakologen ihre verschiedenen Teile. In der Neuen Sammlung von Heilkräutern schrieb Wu Yiluo, dass die Frühlingszwiebel schweißtreibend und gegen Störungen der Zirkulation des Yang-Qi (vitale Energie) wirkt. Er stellte fest, dass der weiße untere Teil der Frühlingszwiebel in seiner medizinischen Eigenschaft scharf und warm und dass die Schlauchblätter scharf und kalt seien, beide also unterschiedliche Heilwirkungen hätten.

Auf der Grundlage breiter Anwendungen fassten die Ärzte ihre Erfahrungen zusammen und machten dabei eine wichtige Entdeckung, dass nämlich ein Rezept zum Einnehmen nicht gleichzeitig aus Frühlingszwiebeln und Honig zusammengestellt werden darf, während Frühlingszwiebeln als Mittel zum äußeren Gebrauch gegen Entzündungen mit Honig gemischt werden sollten, weil sie dann eine bessere Wirkung haben.

Ingwer nimmt unter den chinesischen Heilpflanzen ebenfalls eine wichtige Stellung ein. Er ist eine perennierende Graspflanze, die in allen Landesteilen Chinas angebaut wird. In der chinesischen Medizin wird sein Wurzelstock benutzt. Man kann den Saft des Wurzelstocks auspressen, seine Schale verwenden, ihn schmoren oder trocknen. Infolge der verschiedenen Zubereitung hat der Ingwer verschiedene Heilwirkungen. In dem bereits erwähnten Buch Nicht formelle Aufzeichnungen bekannter Ärzte heißt es, dass der Ingwer gegen Kopfschmerzen und Schnupfen wirkt, Husten mildert und Erbrechen stoppt. Ingwer wurde damals als ein wichtiges Mittel gegen Erkältung und Erbrechen eingesetzt. Seither findet der Ingwer bei der Behandlung von Krankheiten und beim Gesundheitsschutz eine breite Anwendung.

Chen Cangqi schrieb in der Tang-Zeit (618-907) in seiner Ergänzung zur Kräutermedizin, dass der Ingwersaft Gift reinigt und appetitanregend ist. Der Ingwersaft wurde daher oft dazu verwendet, die Gifte von der Dreizähligen Pinellia (Pinellia termata), dem Wurzelstock des Arisaema sowie von Fischen und Krabben zu reinigen, die Kälte im Magen zu vertreiben und das Erbrechen zu stillen. Der bekannte Mediziner und Parmakologe Li Sizhen aus der Ming-Zeit beschrieb in seinem Abriß der Arzneikunde die Heilwirkungen von frischem und geschmortem Ingwer kurz so: Frischer Ingwer wird zum Schweißtreiben verwendet, geschmorter Ingwer zur Regulierung des Kreislaufs von Qi. Später wurde geschmorter Ingwer zum Stillen der durch unzulängliche Lebenskraft und Kälte verursachten Blutung eingesetzt und getrockneter Ingwer zur Behandlung der durch Kälte in Milz und Magen hervorgerufenen Krankheiten und des Verlusts von Yang.

Über den getrockneten Wurzelstock des Ingwers heißt es in Shennongs Kräutermedizin, dass er als Mittel gegen das Völlegefühl im Magen und gegen den Husten, der das Qi zum oberen Körperteil führt, sowie dazu zu verwenden ist, Milz und Magen zu wärmen, Blutungen zu stillen, Schweiß zu treiben, und dass er gegen rheumatische Lähmungen und gegen Durchfall wirkt. In einem von Zhang Yuansu in der Yuan-Dynastie (1271-1368) geschriebenen medizinischen Werk werden die vier Funktionen des trockenen Ingwers beschrieben: 1. Er fördert die Herztätigkeit und stärkt das Yang; 2. er vertreibt die im Eingeweide stockende Kälte; 3. er vertreibt die Kälte aus allen Meridianen (die Körperaktivitäten regulierenden Netzkanäle, durch die das Blut und die Lebensenergie zirkulieren); er stillt die durch Erkältung verursachten Bauschmerzen. Die Ingwerschale ist in ihrer medizinischen Eigenschaft scharf und kalt und stellt ein harntreibendes Mittel dar. Ein aus ihr, der Poria-Rinde, der inneren Wurzelrinde des Weißen Maulbeerbaums, der Schale der Arekanuß und anderen Zutaten zubereiteter Heiltrank ist wirksam gegen Wassersucht. Der als medizinischer Weiser bekannte Arzt Zhang Zhongjing aus der Östlichen Han-Dynastie (25-220) verwendete in seinen Rezepten am meisten Ingwer. Die Heiltränke Xiaoqinglong Tang (Kleiner Absud des Grünen Drachen), Guizhi Tang (Zimtzweig-Absud), Sanwu Beiji Tang (Drei-Heilkräuter-Absud für Notfälle), Xiaochaihu Tang (Kleiner Absud aus Wurzeln vom Sichelblättrigen Hasenohr), Dachaihu Tang (Großer Absud aus Wurzeln vom Sichelblättrigen Hasenohr) und Banxia Xiexin Tang (Pinellia-Absud zur Beseitigung von Magen-Hitze) enthalten alle Ingwer - ein Beweis für seine außergewöhnlichen Heilwirkungen.

Knoblauch gedeiht ebenfalls in allen Landesteilen Chinas und ist leicht anzubauen. Er wird seit Jahrtausenden in China als wichtiges Mittel gegen Parasiten, Gift, Entzündungen und Blutstauungen benutzt und wurde bereits sehr früh auch als Würzmittel verwendet. Knoblauch wurde als Heilmittel zuerst von Tao Hongjing zur Zeit der Liang-Dynastie (502-557) erwähnt, und zwar in dem Buch Anmerkungen zur Heilkräutersammlung. Knoblauch ist in seiner medizinischen Eigenschaft scharf und warm und hat Heilwirkung gegen allgemeine Krankheiten. In dem Buch Nicht formelle Aufzeichnungen bekannter Ärzte heißt es, dass Knoblauch Entzündungen und Geschwüre hemmen, durch Umwelteinflüsse hervorgerufene Krankheiten heilen und den Körper von Gift reinigen kann. In dem Buch Heilkräuter der Tang-Zeit, das von Su Jing und anderen während der Tang-Dynastie verfasst wurde, kann man lesen, dass Knoblauch die Wirkung hat, das Qi in den unteren Körperteil zu leiten und die Verdauung zu fördern. Knoblauch wurde schon sehr früh auch als Mittel zur äußeren Sterilisation benutzt. In der Tang-Zeit war die Moxenbehandlung mit Knoblauch weit verbreitet. Man schnitt Knoblauch in dünne Scheiben, die nach der Punktierung mit der Nadel auf den Akupunkturpunkt oder den entzündeten Körperteil gelegt wurden, um diesen dann mit Moxen zu behandeln. Diese Methode verwendete man meistens gegen die Lymphknotentuberkulose.

Chen Ziming aus der Song-Zeit (960-1279) schrieb in seinem Buch Kern der Chirurgie, dass man Knoblauch zu Beginn einer Entzündung benutzte. In der Sammlung essbarer Heilpflanzen von Shen Jilong aus der Qing-Zeit heißt es, dass man Knoblauchzehen zusammen mit Sesamöl in einem Mörser zerkleinert und den Brei dick auf die betroffene Stelle aufträgt, um die Entzündung zu beseitigen. Wang Shixiong, ebenfalls aus der Qing-Zeit, legte in seinem Buch Kochrezepte im täglichen Leben die Heilwirkungen von Knoblauch ausführlich zusammenfassend dar: Frischer Knoblauch ist in seiner medizinischen Eigenschaft scharf und heiß, gekochter Knoblauch ist süß und warm. Er kann Kälte und Nässe im Körper beseitigen, durch Umwelteinflüsse verursachte Krankheiten heilen, das Qi zum unteren Körperteil führen und Wärme stauen, die Verdauung fördern, Blutungen stillen, stockende Kälte vertreiben, gegen Durchfall, Bauchschmerzen und Verstopfung wirken, den Körper entgiften, Geschwülste beseitigen, Würmer im Körper abtöten, zusammen mit der Moxibustion Geschwüre auflösen und Harn treiben.

Knoblauch wird als ein volkstümliches Rezept auch gegen Gicht und chronische rheumatische Krankheiten benutzt. Man lässt z.B. den Patienten auf dem Bauch liegen, trägt 50 g Knoblauchbrei auf die Akupunkturpunkte zwischen Dahui und Yaoshu an seiner Wirbelsäule auf und brennt darüber so lange Moxen ab, bis der Patient im Mund den Knoblauchgeschmack und in der Nase das Knoblauchgeruch spürt. Knoblauch gilt ferner als volkstümliches Wurmmittel: Man misch Knoblauchbrei mit etwas Pflanzenöl und streicht den Brei vor dem Schlafengehen auf die Aftergegend. Insgesamt hat sich Knoblauch als wirksam bei fast hundert Krankheiten erwiesen, darunter Schwindsucht, stoßweiser Husten, Ruhr, Durchfall, Grippe, Blinddarmentzündung und Bluthochdruck.

Aus der Geschichte der chinesischen Heilkunde sind Frühlingszwiebeln, Ingwer und Knoblauch nicht wegzudenken. Ihr hoher medizinischer Wert ist auch heute unumstritten.

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